711 sei Dank!

22 Uhr, der Arbeitstag ist so gut wie gelaufen. Noch schnell ein paar Bilder im Innenhof, wo sich alle Eventgäste treffen, um Luftballons mit Wünschen in den Abendhimmel zu schicken. Weitwinkel und Body greifen, rasch das Objektiv aufschrauben und dann die ISO hochjagen. Kurz noch mal ein Blick durch den Sucher und dann… huch – was ist denn da los? Alles verschwommen, Autofokus greift nicht, und irgendwas klappert hier ganz verdächtig. Also, Objektiv wieder abschrauben und siehe da: purzelt doch glatt der Spiegel aus der Kamera! Aus der Spiegelreflexkamera ist jetzt bestenfalls eine Reflexkamera geworden.

Ok, für den Augenblick ist das natürlich kein Problem, dafür hat man ja immer einen zweiten Kamerabody dabei und auch schnell einsatzbereit. Die Sorge um den Schaden treibt einen dann aber den ganzen Weg nach Hause. Besonders wenn man in Kürze den Body für eine weitere Veranstaltung wieder im Einsatz haben muss.

Ein Anruf beim Canon-Profi-Service  beruhigt zwar die Angst vorm Totalschaden, doch wann der Body repariert wieder zurück kommt, ist alles andere als sicher. Und nun? Ein Rundruf bei den üblichen Verdächtigen verdichtet die Gewissheit: während der Shooting-Saison sind alle ausverkauft bzw. alle Leihgeräte bereits geblockt. Glücklicherweise erhalte ich vom Canon-Service noch einen tollen Hinweis: “Fragen Sie mal bei 711”. 711? Nie gehört! Aber nach kurzem googeln werde ich fündig : www.711rent.com. Einen Anruf später folgt der große Seufzer! “Ja, klar haben wir noch eine 5D Mark II für Dich, kannste direkt abholen.”. Auf nach Bockenheim in einen unscheinbaren Hinterhof, der sich als Mekka aller Leihfreuden entpuppt: hier kann man ALLES leihen, was das Fotografen-Herz begehrt! Wow! Und richtig nett sind die Jungs, die dort arbeiten auch noch! Also, hoffentlich brauche ich 711 nicht noch mal aus so einer Notlage heraus, aber gerne werde ich mal wieder etwas Material dort leihen, z.B. ein Fisheye-Objektiv, welches man sich nicht unbedingt leisten muss, hin und wieder gerne aber mal nutzt.

Auf diesem Wege noch mal ein großes Dankeschön an 711rent, für die spontane und verlässliche Hilfe! Ihr seid echt ein Lichtblick!

Die Süße des günstigen Preises… Frohes Fest!

Weihnachten steht vor der Tür. Die Zeit der Firmenfeiern, Adventskränzchen und Grußkartenschreiberei ist fast geschafft. Die letzten Pakete der großen Versender sind bereits im Online-Tracking erfasst und bald daheim. Wer Glück hat, findet nun die Ruhe zum Genießen, Entspannen und vielleicht nachdenken. Dazu möchten ich heute mal anregen. Vor Kurzem hatte ich die Freude, folgendes Motto eines amerikanischen Profiequipement-Herstellers zu lesen:

“The bitterness of poor quality remains long after the sweetness of the low price is forgotten”.

Frei Übersetzt: Die Verbitterung über schlechte Qualität bleibt lange, nachdem die Süße des günstigen Preises bereits vergessen ist. Zugegeben, im Englischen klingt dies wesentlich poetischer, doch die Aussage gilt sicher sprachübergreifend. Qualität bedeutet nun mal auch mehr Arbeit an den Details und mehr Arbeit bedingt mehr Zeit. Und Zeit ist das wesentliche Kriterium zur Kalkulation eines Auftrags.

Für uns bedeutet ‘Zeit’ leider auch ein sehr seltenes Gut von dem man wesentlich mehr haben möchte. Gerne würden wir unsere Zeit in die Pflege von Kundenbeziehungen investieren und über unsere Aktivitäten berichten. Bestimmt werden wir uns aber über unseren vollen Terminkalender in den letzten Monaten nicht beschweren – im Gegeteil. Wir können uns nur vor unseren Kunden verbeugen und Danke sagen.

Danke für so liebe nette Auftraggeber, wunderschöne gemeinsame Momente auf Photoshootings und während Webseiten-Projekten. Wir wünschen Ihnen allen von Herzen schöne erholsame Festtage mit Ihren Liebsten, und vielleicht erfreut sich der ein oder andere an einem Bild unterm Weihnachtsbaum, welches wir dieses Jahr gemeinsam geschossen haben.

Tanzpaar tanzt Walzer bei einem Tanzturnier in einem festlichen Saal

Drill im Walzertakt

Neulich auf einem Tanzwettbewerb in Frankfurt am Main: Hessische Meisterschaften im Paartanz – klingt nach spannenden Bildern von kunstvoll geführten Damen und adrett gekleideten Herren. Ist eigentlich auch so, nur dass die Damen hier deutlich unter 18 und die Herren in freudiger Erwartung des Stimmbruchs sind. Umso erstaunlicher wirken die jungen professionell geschminkten Mädchen mit hochhakigen Schuhen und knappen Kleidern sowie die Jungs im Anzug mit Gel-Frisuren, die selbst Fred Astaire den Atem stocken ließen.

Offensichtlich handelt es sich um die Jugend, die sich gerade in den verschiedenen Latino- und Standardtänzen misst. Und auch hier erscheint das Niveau extrem hoch. Perfekte Haltung, stets im Takt und immer ein Lächeln für die Kampfrichter, die sich rund um das Tanzfeld postiert haben. Nichts wird dem Zufall überlassen, elektronische Punkteerfassung und Übermittlung ermöglichen bereits kurz nach dem Tanz die Vermeldung der Paare, die es in die nächste Runde geschafft haben. Unbändige Freude in den Gesichtern der Qualifikanten neben traurigen Blicken all jener, denen man lieber ein Eis und eine Karte fürs Schwimmbad ausgeben möchte, statt der erfolglosen Anstrengung in dieser stickigen Halle.

Auch aus Fotografensicht ist es spannend hier Bilder zu schießen. Schlechte, indirekte Beleuchtung, schnelle Bewegungen, ein gelblich reflektierendes Parket und eine hohe Publikumsdichte in Form von Eltern und Betreuern rund um die Tanzfläche. Um hier Bewegungen einzufrieren, kommt man kaum unter eine ISO von 2000, bei einer Belichtungszeit von etwa 1/200 Sekunden und Blende 5,6. Das übliche Dilemma, der Vollformat-Chips: eine hervorragende Bildqualität contra der etwas langsameren Fokussierung lässt sich kaum auflösen, höchstens durch den Verzicht auf Zoomobjektive. Dann kann man zwar bei niedrigerer ISO mit höheren Geschwindigkeiten ähnliche Belichtungen erzielen, müsste jedoch idealerweise hinter dem Tanzpaar hinterher schleichen, um nicht ständig den gewünschten Bildausschnitt zu verlieren. Summa summarum der übliche Wahnsinn eines Eventfotografen.

Die Darstellung der Bilder hier im Blog wurde mir dankenswerter Weise von den Eltern der Tanzpaare genehmigt. Ich freue mich, den Vieren auch nächstes Jahr die Daumen drücken zu dürfen.